Sissi Flegel

Schule, Ballett & Handykuss

Bille hat vollstes Verständnis, dass Tino gerade wenig Zeit für sie hat. Schließlich steht er kurz vor der Aufnahmeprüfung für die Ballettakademie und da geht das Training natürlich vor. Zum Glück gibt es ja Handys, so kann man sich immer erreichen.
Bei der Faschingsparty der John Cranko-Schule wartet Bille geduldig auf ihren Freund oder zumindest eine SMS. Doch leider hört sie in all dem Trubel ihr Handy nicht und es kommt zu einer folgenschweren Verwechslung: Der Maskierte, den Bille küsst, ist gar nicht Tino! Und um aus diesem Schlamassel wieder herauszukommen, genügt keine
Telefon-Aktion – da muss Bille etwas ganz Besonderes einfallen!

 

Buchabbildung

 

Leseprobe

Die Jungs rissen sich um mich, keinen Tanz ließ ich aus, denn mein Kostüm erwies sich als echter Hit.
Es war genial; wenn mir einer zu langweilig war, peitsche ich ihn mit meinem langen Katzenschwanz so richtig an und lockte ihn, indem ich schmeichlerisch um ihn herumstrich. Aber wenn einer zu draufgängerisch war, oho!, dann drohte ich ihm mit meinen Krallenfingern. Einmal bat mich sogar der Edelmann mit der Glitzermaske und der auffälligen Feder auf dem Hut zum Tanz. Na ja, er sah besser aus, als er tanzte, immer wieder trat er mir auf die Füße und entschuldigte sich nicht mal dafür, der Trottel. Überhaupt fragte ich mich, wer ihn eingeladen hatte. Dass es keiner von uns Ballettleuten war, merkte ich beim ersten tollpatschigen Schritt, und dass er jedes Mädchen anbaggerte, spätestens beim zweiten: Obwohl er mich im Arm hielt – viel zu eng übrigens, er klammerte, sodass ich ihm sogar mit den Krallen übers Gesicht fuhr –, ließ er seine Blicke schweifen und sauste nach dem letzten Ton sofort zur nächsten. Den wollte ich nicht zum Freund haben, aber ehrlich nicht! Ich glaube, der Typ tanzte mit jeder von uns, na ja, ein paar Mal sah ich ihn zusammen mit Randa. Aber wenn Kolja sich nicht seine Ivy ans Handgelenk gefesselt hätte, wäre er die vielleicht sogar los gewesen, so oft, wie der Edelmann mit gierigen Stielaugen zu ihr rüberschielte. Selbst dann, wenn er mit Randa tanzte! Verstehen konnte ich ihn ja. Ivy sah in ihrem rosa Blümchenprinzessinnenkleid echt süß, zart und bezaubernd aus. Eben wie eine kleine Fee, die man beschützen musste.
Leider hatte mein Kostüm einen nicht zu unterschätzenden Nachteil. Es war zu warm. Ich schwitzte wie in einer Hundert-Grad-Sauna, nach einigen Stunden spürte ich, dass sich die Barthaare so langsam lösten, und garantiert hatte sich mein Lidschatten und das Schwarz meiner Nase in Nichts aufgelöst. Oder katastrophale Flecken bekommen. Ich musste schleunigst nachbessern und eilte deshalb auf die Toilette. Dabei schaute ich auf die Uhr. Viertel nach neun – und Tino war noch nicht erschienen. Wenn mein Süßer sich nicht beeilte, konnten wir uns den Abend schenken. Mein Vater würde Punkt zehn auf der Matte stehen, dann war Schluss mit Tanz, Frohsinn und Vergnügen, Mist aber auch!
Ich checkte kurz mein Handy. Du lieber Himmel! Zwei Anrufe in den letzten fünf Minuten! Ich hatte nichts, wirklich nichts gehört, die Musik musste alle Klingeltöne übertönt haben. Mit zitternden Finger wählte ich Tinos Handy an, es klingelte auch zwei-, dreimal, aber dann gab meines den Geist auf. Der Akku war komplett alle, ich Schussel hatte ja gewusst, dass er fast am Ende war, aber das Aufladen hatte ich in der Eile vergessen.
Mit fliegenden Fingern klebte ich die Barthaare fest, benutzte mein Deo in verschwenderischer Menge, besserte Nasenfarbe und Lidschatten aus, tuschte kurz noch die Wimpern, malte die Lippen nach und checkte wieder die Uhrzeit. Halb zehn. Ich beschloss, nicht mehr zu tanzen, sondern ‘ne Cola light zu schnappen und mir nahe der Treppe einen Platz zu besorgen, sodass ich Tino sofort sehen und ihn unter Garantie nicht verpassen konnte.
So kurz vor Schluss war die Party auf dem Höhepunkt angelangt. Überall standen knutschende Pärchen, und wer gerade nicht knutschte, tanzte wild und ausgelassen – oder eng umschlungen Wange an Wange. Mein Gott, wie ich die alle beneidete! Mir wurde ganz schlecht vor Sehnsucht nach Tino, verzweifelt wünschte ich, ihn endlich die Treppe runter- und auf mich zufliegen zu sehen … Da! Ein Junge mit federchenbesetzter florentinischer Maske und wehendem roten Mantel schaute sich suchend um, erblickte mich, winkte wild und eilte auf mich zu. Das musste Tino sein! Endlich!
Der Junge hat sich sogar noch umgezogen, dachte ich verwundert, dann sprang ich auf, mein Tino verbeugte sich ballettmäßig vor mir, ich warf meine Arme um seinen Hals, hauchte: „Endlich! Ich hatte solche Sehnsucht nach dir! Ich liebe dich!“, in sein Ohr und küsste ihn leidenschaftlich.
In diesem fatalen Augenblick geschahen zwei Dinge gleichzeitig.
Erstens: Der Kuss schmeckte nicht. Der Junge hatte harte Lippen, er roch fremd und fühlte sich anders an als mein Tino, weshalb ich zuerst verdutzt, dann entsetzt die Augen aufschlug und …
Zweitens: direkt in Tinos Gesicht blickte, der offensichtlich gerade eben und noch im verschwitzten Trikot heruntergekommen war und nun fassungslos neben dem Kussräuber im roten Umhang stand.
Wenn Blicke wirklich töten könnten, hätte ich augenblicklich meinen letzten Schnaufer getan und wäre mausetot zu Boden gesunken. Aber so starrten wir uns sekundenlang an, ich schuldbewusst, weil ich den Roten Florentiner mit meinem Liebsten verwechselt hatte, und er mit ungläubiger Wut in den Augen …

 

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