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Brinx / Kömmerling Alles Machos - außer Tim!Ausgerechnet Ruby hat sich in einen Fußballer verknallt. Das kann sie nicht einmal ihrer besten Freundin sagen, denn die würde sie für verrückt erklären. Wie gut, dass sie Tim im Ballettunterricht kennen lernt, der so wunderbar anders als andere Jungs ist und ihr ganz uneigennützig verspricht zu helfen ... Doppelter Lesespaß für freche Mädchen und freche Jungs: Wie Tim das alles erlebt hat, erzählen Brinx/ Kömmerling in "Alles Hühner – außer Ruby!", einem Buch aus der Reihe „Für Mädchen verboten“.  Leseprobe Ich ärgere mich schwarz darüber, dass ich es nicht verbergen kann, obwohl ich es mir so fest vorgenommen habe. Ich will nicht, dass Alina was merkt, will nicht, dass sie darunter leidet, dass ich in einen Fußballspieler verliebt bin. Irgendwie habe ich gedacht, ein Geheimnis könnte man haben, aber das geht anscheinend nicht. Die Karten müssen auf den Tisch, so sieht’s aus. Aber wie? Alina spricht doch nie wieder ein Wort mit mir, wenn ich ihr von Bubi erzähle! Sie wirft mir noch einen finsteren Blick zu, dann müssen wir uns aufs Balletttraining konzentrieren. Frau Tiebel fängt gerade auf dem Klavier an, die Ouvertüre. Dabei wiegt sie sich mit geschlossenen Augen vor und zurück und man hat immer ein bisschen Angst, dass sie aus Versehen mit dem Kopf auf die Tasten schlägt und für immer ins Koma fällt. „BEKANNTE BALLETTLEHRERIN IM TASTENKOMA!“ Bevor es soweit kommt, geht die Tür auf und ein Typ stürzt mit ihr herein, ein Junge, knallrot im Gesicht, und er kommt direkt vor Frau Tiebel gerade noch zum Stehen. Ich bin mit meinem Schuhgummi beschäftigt und als ich hochschaue, guckt mich der Typ direkt an, als wäre er wegen mir da. Süß, wirklich, auch weil er komplett rot wird. Frau Tiebel sagt ganz schlau: „Wen haben wir denn da?“, und der Junge sagt: „Den Tim haben wir da“, und wir müssen alle furchtbar lachen, weil das so doof ist. Tim jedenfalls will bei uns mitmachen. Ein Junge! Das ist noch nie da gewesen. Irgendwie habe ich gleich das Gefühl, dass ich ihn kenne, schon ewig, so als wären wir alte Freunde, nichts Fremdes. Aber das liegt vielleicht daran, dass ich es so toll finde, dass er echt tanzen will. Ein Junge, der einzige in unserem ganzen Haufen. Außerdem heißt er Tim, wie Bubi, und das ist doch vielleicht ein Zeichen. Frau Tiebel ist auch begeistert und führt ihn zu den Umkleiden, und klar, da geht gleich das große Geflüster und Gekicher los bei den anderen. Ein Junge im Ballett! Der muss ja schwul sein, wo gibt’s denn so was? „Ist doch toll“, sage ich zu Alina. „Würdest du dich das trauen?“ Alina schüttelt den Kopf. „Nie und nimmer, zwischen den ganzen Weibern hier.“ „Der erste Tänzer, den wir kennen lernen!“, schwärme ich und einen Moment lang ist es zwischen Alina und mir wieder so wie immer, einig eben. Frau Tiebel und Tim kommen zurück und ich mustere ihn unauffällig, auch weil ich irgendwelche Anzeichen erkennen will, ob er nun schwul ist oder nicht. Aber woran soll man das erkennen? Eigentlich sieht er aus wie ein Fußballer und da bin ich ja jetzt Expertin. Als Frau Tiebel verkündet, dass Tim doch den Baum spielen könnte in unserem Stück, johlen alle begeistert los und ich stoße Alina in die Seite, weil sie ja die Primaballerina ist, in die sich der Baum verliebt. Alina zwinkert mir zu und da schießt mir eine kleine Sekunde durch den Kopf, dass es vielleicht die Lösung wäre, wenn Alina sich in einen Schwulen verlieben würde. Könnte ich ihr dann nicht auch von meinem Fußballer erzählen? Nein, natürlich nicht, Schwule sind alles, aber keine Machos. Also, Gedanke verworfen. Wir tanzen uns erst mal warm, alle Positionen durch und so. Tim ist ganz hinten. Ich drehe mich extra nicht zu ihm um, damit es ihm nicht peinlich sein muss, dass er die Dinge vielleicht noch nicht so gut im Griff hat, aber die anderen anscheinend schon, weil ein kleines, leises Dauerkichern in der Luft hängt. Das finde ich unmöglich. Dann ruft Frau Tiebel: „Tourné!“ Das heißt, alle Mann umdrehen, was Tim aber nicht weiß, weswegen er der Einzige ist, der sich nicht umdreht und deswegen dem ganzen grinsenden Kicherhaufen ins Gesicht schaut. Ok, er dreht sich schnellstens um, aber da steht er plötzlich ganz vorne an der Stange, der Erste in einer langen Reihe Mädchen, und alle können sehen, dass er nichts kann und sich den Hals verrenkt, um irgendwie mitzukriegen, was wir da treiben. Das ist doch nicht lustig! Jetzt mal ehrlich! Finden die anderen aber schon. Frau Tiebel schickt mich vor Tim. Ich mache extra ganz langsam und ordentlich, damit er genau sehen kann, was zu tun ist, und gerade kommt ein gewisses Maß an Konzentration auf, da höre ich plötzlich einen Rums hinter mir. Ich drehe mich um und sehe, dass Tim die Sache mit dem Bein-auf-die- Stange-Legen wohl nicht hingekriegt hat und auf den Hintern gefallen ist. Der Ärmste! Und statt dass die Mädels erschrocken die Hände vor den Mund schlagen oder ihm aufhelfen, brechen sie auch noch in schallendes Gelächter aus. „Haltet gefälligst die Klappe!“, maule ich sie an und will Tim meine Hand geben, aber da ist er schon hoch und rennt wie von der Tarantel gestochen raus.
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