Sabine Both

Umzug nach Wolke sieben

Jule ist umgezogen. In der neuen Stadt ist alles doof, am schlimmsten sind die Klassenkameraden. Zum Glück taucht bald Mechthild auf, so schräg wie ihr Name, aber eine super Freundin. Nur als Jule sich unglücklich in Carlo verliebt, weiß Mechthild auch keinen Rat. Da sind schon noch Jules Schwester Cora, deren Freund Marco und einige clevere Schachzüge nötig, um Jule zu ihrem Glück zu .

 

Buchabbildung

Leseprobe

Jule, du stehst im Weg!“, sagte Papa hinter einer Umzugskiste hervor und stolperte an mir vorbei. Nach dem dritten Mal hatte ich angefangen mitzuzählen und war mittlerweile bei sechzehn angelangt. Volle sechzehn Mal: Jule, du stehst im Weg!
Toll! Wo sollte ich denn sonst stehen? Mit Ausnahme einer schmalen Gasse stapelten sich auf dem Fußboden unzählige Umzugskartons und voll gestopfte Wäschekörbe. Ich hasste Wäschekörbe. Ich hasste Umzugskartons. Ich hasste Umzüge.

Papa war vor ein paar Wochen mit einer Flasche Sekt nach Hause gekommen und hatte beim Öffnen alles voll geschlabbert.
„Ich habe ein Wahnsinns-Jobangebot von einer Computerfirma aus Köln!“, trötete er begeistert und saugte mit spitzen Lippen den überfließenden Sekt auf.
Ich dachte mir nichts Böses bei der ganzen Geschichte, hörte beiläufig zu, wie Papa furchtbar langweiliges Zeug von den Inhalten und Vorzügen des neuen Jobs erzählte, und plante in Gedanken, welchen Badeanzug ich beim Schwimmturnier in einem Monat tragen würde.
„Ich habe zugesagt“, endete er.
„Toll!“, rief meine Schwester Cora. „In Köln geht der Bär ab!“
„es wurde auch Zeit, dass du einen Job findest, der deinen Qualitäten entspricht“, freute sich Mama.
Irgendwie schien keiner in meiner Familie praktisch zu denken. Oder hatten sie alle in Erdkunde nicht aufgepasst?
„Papa, ist Köln nicht ziemlich weit weg? Fährst du dann mit der Bahn oder mit dem Auto?“, fragte ich. Papa guckte mich ganz verblüfft an und kniff die Augen zusammen.
„Was ist?“, fragte ich verwirrt. „Ist das eine dumme Frage?“
Ich schaute zu Mama. Die guckte ganz verblüfft. Mein Blick wanderte zu Cora. Sie hatte die Augenbrauen hochgezogen und schüttelte den Kopf, wie sie es immer tat, wenn sie nichts raffte.
„Engelchen!“, sagte Papa mit einer Stimme, die er immer nur dann benutze, wenn er schlechte Nachrichten schonend verpacken wollte. „Du hast da wohl was missverstanden.“
„Was denn?“, fragte ich immer noch völlig blauäugig.
„Gott, bist du schwer von Kapee“, meckerte Cora.
„Papa hat nicht vor, jeden Tag vier Stunden hin und vier Stunden zurückzufahren, weder mit der Bahn noch mit dem Auto.“
„Nein?“, fragte ich, ohne zu wissen, worauf Cora eigentlich hinauswollte. Wollte Papa nach Köln fliegen? Wollte er joggen? Ich verstand nichts.
Papa bedeutet Cora mit der Hand, dass sie den Mund halten sollte. Cora verschränkte die Arme vor der Brust und zuckte die Schulter.
„Engelchen, wir werden nach Köln umziehen“, sagte Papa dann sanft.
In meinen Ohren klickerte es. Ich hatte die Worte schon verstanden. Akustisch. Aber sie wollten nicht in mein Gehirn vordringen. Umziehen? Umziehen? klapperte es in meinem Kopf.
„Köln ist so geil!“, freute sich Cora, während ich angestrengt überlegte, was Umziehen für eine Bedeutung hatte.
„Ich hab mal 'ne Doku gesehen über die Kölner Domplatte. Total abgefahren. Da sind tausende von Skatern und machen absolut irre Sachen auf ihren Boards. Die sahen alle voll süß aus“, schwärmte meine Schwester weiter.
„Moment mal!“ Endlich hatte sich mein Gehirn dazu bereit erklärt, den Inhalt des Gesprächs zu checken. „Wir können gar nicht umziehen!“
„Hä?“, raunzte Cora und zeigte mir einen Vogel. „Tickst du jetzt gar nicht mehr?“
„Ich ticke ganz genau!“, konterte ich. „Ich bin gerade Klassensprecherin geworden. So ein Amt dauert mindestens ein Halbjahr! Anna und ich haben erst letzte Woche unseren Backstreet-Boys-Fanclub gegründet. Die Backstreet Boys kommen aber erst nächstes Jahr wieder hierher.“
„Boh, Jule!“, stöhnte Cora. „Sonst noch Problem?“
„Oh ja!“, giftete ich und in meiner Stimme schwangen schon ein paar zittrige Heulvorboten mit. „Ohne mich kann meine Schwimmstaffel niemals den Pokal gewinnen. Ich hab ‚ne Tomatenpflanze im Schulgarten. Wisst ihr eigentlich, wie lange so eine Tomatenpflanze braucht, um groß zu werden?“
Jetzt war es um meine Fassung geschehen. Ich heulte Rotz und Wasser.
„Jule. Engelchen. Wir müssen alle Kompromisse schließen“, sagte Mama und versuchte mich in den Arm zu nehmen.
Ich riss mich los und sprang vom Tisch auf. „Was hat das denn mit Kompromissen zu tun?“, schrie ich und meine Stimme überschlug sich dabei. „Hier geht es um mein Leben. Aber das scheint ja keinen zu interessieren!“
Ich rannte aus der Küche in mein Zimmer, knallte die Tür zu, riss sie wieder auf, schnappte mir das Telefon, knallte die Tür erneut zu und schloss zweimal ab. Meine Hände zitterten wie verrückt, als ich Annas Nummer wählte. Bitte sei da! Bitte sei da!, dachte ich verzweifelt. Sie nahm ab.

zurück

      Home
      Steckbriefe
      Freche Mädchen!
      Machos!
      Spaghetti criminale
      Herzkribbeln
      Handykuss
      Hexenkuss
      Katastrophen!
      Wolke sieben
      Coole Küsse
      Allein unter Models
      Bye, bye, Ben!
      **lol**
      WWWitzEEE
      Gästebuchschluss
      seite28


powered by klack.org, dem gratis Homepage Provider

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich
der Autor dieser Homepage. Mail an den Autor


www.My-Mining-Pool.de - der faire deutsche Mining Pool